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Freiräume, Sozialdienste und Gleichstellung. Neue Frauenbewegung und Wertewandel in der katholischen Provinz in den 1970er bis 1990er Jahren.

Projektbearbeiterin: Christine Bald M.A (Universität Trier)

Die Geschichte der Neuen Frauenbewegung in der Bundesrepublik wurde bisher überwiegend mit Blick auf ihre Entwicklung in den großstädtischen Zentren wie Berlin, Frankfurt oder München erforscht, wo sie im Zuge der Studentenbewegung ihren Anfang genommen hat. Weniger untersucht wurde, wie seit den 70er Jahren auch in kleineren Städten und ländlichen Regionen vielfältige neue Frauenvereinigungen, –initiativen und –projekte entstehen konnten und welche Wirkung sie dort entfalteten. Am Fallbeispiel der katholisch geprägten Stadt und Region Trier untersucht das Forschungsprojekt die allmähliche Ausbreitung und wachsende gesellschaftliche Verankerung von Zielen und Werthaltungen der Neuen Frauenbewegung jenseits der Metropolen in einem mittelstädtischen und ländlichen Umfeld. Das Forschungsfeld bilden Frauenvereinigungen, -initiativen und –projekte, die in den 70er bis 90er Jahren ins Leben gerufen wurden. Wer waren ihre Protagonistinnen und woher bezogen diese ihre Motivation und ihre Ideen? Für welche Ziele setzten sie sich ein und in welchen Spannungsfeldern bewegten sie sich damit vor Ort? Welche Unterstützung erfuhren sie von außen und wo stießen sie auf Widerstand? Wie haben etablierte Institutionen, das heißt Kirchen, konfessionelle Wohlfahrts- und Bildungsvereine, Kommunalpolitik und –verwaltung oder Gewerkschaften und Kammern auf die Herausforderung durch die Frauenbewegung reagiert? Welche Rolle spielten neue akademisch geprägte Gruppen seit Neugründung der Trierer Universität 1970 für die Ausbildung von Bewegungsinitiativen oder die staatliche Gleichstellungspolitik ab Mitte der 80er Jahre für die weitere Entwicklung der Fraueninitiativen? Anhand dreier zentraler Aktionsfelder – Bildung und Kultur, soziale Unterstützung und Beratung sowie politische Initiativen - soll den Wechselbeziehungen zwischen Bewegungsbasis und etablierten Institutionen nachgegangen werden. Wie wurden „alte“ und „neue“ Werte in der lokalen Öffentlichkeit verhandelt und was lässt sich daraus für den Wandel von Werthaltungen seit den 70er Jahren ableiten?

Neben der Auswertung zeitgeschichtlicher Dokumente aus Archiven und Bibliotheken stützt sich das Vorhaben methodisch auf die Befragung von ZeitzeugInnen (oral history ) und die historische Netzwerkanalyse. Anhand seiner empirischen Ergebnisse für die Stadt und Region Trier und eines anschließenden Vergleichs mit Frauenbewegungen in anderen Mittelstädten fernab der Metropolen setzt sich das Projekt mit Theorien des Wertewandels auseinander.